Deutsche humanitäre Hilfe und Übergangshilfe in Mosambik

25.05.2017
Schulspeisung Bild vergrößern Schulspeisung (© WFP)

Deutschland unterstützt internationale Hilfsorganisationen in Mosambik bei der Bekämpfung der anhaltenden Nahrungsmittelknappheit und der Bewältigung der Folgen wiederkehrender extremer Wetterereignisse. Im Jahr 2016 belief sich der deutsche Beitrag zur humanitären Hilfe und Übergangshilfe in Mosambik auf 1,38 Mio. EUR. Für 2017 sind Förderungen in Höhe von 1,53 Mio. EUR geplant. 

Mosambik, ein Land, in dem fast 60% der Menschen von weniger als 1,25 USD am Tag leben, ca. 70% der Bevölkerung reine Subsistenzlandwirtschaft betreibt und fast die Hälfte der Kinder unter 5 Jahren chronisch unterernährt ist, ist zudem eines der am häufigsten von Naturkatastrophen betroffenen Länder weltweit. Das Wetterphänomen El Niño löste im Herbst 2015 die bisher dramatischste Dürre aus, welche die Subsahararegion seit der Jahrhundertdürre der 1980er Jahre erlebt hat. 2,1 Millionen Menschen bleiben bis Frühjahr 2017 allein in Mosambik aufgrund der Ernteausfälle des vergangenen Jahres von Hunger und Mangelernährung bedroht. Während im Süden und Zentrum Mosambiks die Bevölkerung weiterhin mit den Folgen der Trockenheit zu kämpfen hat, erlitt der Norden des Landes aufgrund der wieder einsetzenden Regenfälle flächendeckende Überschwemmungen, die die Hoffnung auf die ersten Ernten der Saison in den betroffenen Regionen zunichtemachte. Hinzu kommen die verheerenden Auswirkungen des tropischen Wirbelsturm Dineo, der Mitte Februar die Küsten Mosambiks erreichte und gewaltige Verwüstung anrichtete. Infrastruktur, Schulen und Krankenhäuser müssen wiedererrichtet werden. Geschätzt 120.500 Familien sind betroffen und verloren ihr Zuhause oder ihre bestellten Ackerflächen. Zusätzlich erschwerten gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen dem bewaffneten Arm der Oppositionspartei RENAMO und Sicherheitskräften des Staates den Einwohnern einiger Provinzen das Leben. Es kam zu Fluchtbewegungen und einer noch angespannteren humanitären Lage.

Aber auch in einem guten Jahr wird es den Menschen meist an Lebensmitteln fehlen. Vor allem in der „lean period“ zwischen den Ernten können sie infolge der hohen Lebensmittelpreise kaum etwas für schlechtere Tage zurückzulegen und deshalb nicht für kommende Krisen vorsorgen. Es wird erwartet, dass klimabedingte Extremwetterereignisse in Mosambik aufgrund des Klimawandels noch zunehmen werden.

Die von der deutschen Bundesregierung unterstützten Projekte der humanitäre Hilfe und Übergangshilfe setzen in jenen Distrikten an, welche zur Zeit am meisten unter den Folgen von Dürren, Überschwemmungen und Zyklonen zu leiden haben. Zugleich beinhalten sie auch zukunftsorientierte Maßnahmen zur Krisenvorsorge und Anpassung an den Klimawandel.

CARE ist bereits seit 1984 im Land und hat ursprünglich im Bereich der humanitären Hilfe Projekte durchgeführt. Die Organisation führt Projekte z.B. in den Bereichen Gesundheit, WASH (Verbesserung der Wasser-, Sanitärversorgung und Hygiene), Landwirtschaft und Nahrungsmittelsicherheit durch. CARE setzt sich dafür ein, dass die Menschen des Landes besser auf die stärker werdenden Klimaschwankungen vorbereitet sind, und springt ein, wenn sich Familien trotz aller Anstrengungen nicht mehr allein über Wasser halten können – wie auch jetzt. Die deutsche Bundesregierung förderte die Projekte von CARE Deutschland-Luxemburg zuletzt 2016 mit 700.000 EUR. CARE konnte dadurch über 5 Monate die 6.000 am stärksten betroffenen Familien in Inhambane mit Nahrungsmitteln versorgen.

Die Deutsche Welthungerhilfe (WHH) ist seit 1988 in Mosambik in den Bereichen Nothilfe, ländliche Entwicklung und WASH tätig. Sie arbeitet eng mit den lokalen Partnern zusammen. Bisher wurde das Projekt „Nothilfe für von El Niño betroffene Haushalte in Inhambane“  mit mehr als 1,74 Mio.  EUR durch die deutsche Bundesregierung unterstützt. Mit dem Geld werden regelmäßige Gutscheinmärkte für Nahrungsmittel, Saatgut und landwirtschaftliche Geräte in Zusammenarbeit mit lokalen Lieferanten organisiert und die Gutscheine an die am stärksten gefährdeten Familien der Region verteilt. Die WHH und ihre mosambikanischen Partnerorganisationen sorgen zudem für den Transport jener, die es aus eigener Kraft oder aufgrund der Entfernung nicht selbst zum Markt schaffen oder die durch den Zyklon Dineo abgeschnitten wurden. Allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres wurden auf diesem Weg 24.000 Personen mit Nahrung versorgt. Dank der Nahrungsmittelverteilung können Kinder wieder zur Schule gehen, die vorher zu schwach dazu waren. Die Märkte erfreuen sich großer Beliebtheit und sind mittlerweile zu Orten der Zusammenkunft und des Wissensaustauschs zwischen den Bewohnern und den Helfern herangewachsen. 

Erklärung des deutschen Botschafters anlässlich des Projektbesuches in Mussassa, Provinz Inhambane

„Die humanitäre Hilfe, die das Auswärtige Amt über die Welthungerhilfe gewährt hat, kam hier genau zur richtigen Zeit an, um eine menschliche Tragödie zu verhindern“, sagt der deutsche Botschafter, Dr. Detlev Wolter, bei seinem Besuch in Mussassa. „Diese Nothilfe unterstützt die betroffenen Menschen, ihren grundlegenden Nahrungsmittelbedarf zu decken, sowohl in der Dürre, als auch den anschließenden Überschwemmungen. Das Land besitzt fruchtbare Böden, aber die Fähigkeiten, mit Naturkatastrophen umzugehen, müssen noch weiter gestärkt werden.“ Deshalb bleibt neben der Reaktion auf Katastrophen einer der Schwerpunkte des deutschen humanitären und entwicklungspolitischen Engagements in Mosambik Krisenvorsorge, Frühwarnung und Anpassung an den Klimawandel.“

Die entwicklungsfördernde Übergangshilfe schlägt schließlich die Brücke zwischen der humanitären Not- und Soforthilfe und der längerfristig angelegten Entwicklungshilfe. Sie sorgtnach Überwindung einer akuten Krise für die Grundlage, auf der eine nachhaltige Nahrungsversorgung der Bevölkerung aufgebaut werden kann und hilft den Menschen dabei, sich gegen zukünftige Krisen zu wappnen. Die deutsche Bundesregierung stellte in 2017 dem VN-Welternährungsprogramm (WEP) für seine humanitären Übergangsmaßnahmen in Mosambik 13 Mio. EUR zur Verfügung. Mit diesen Mitteln werden im ersten Programmteil „Food for Assets“ 250.000 Personen mit Nahrungsmittelhilfen versorgt. Die zweite Komponente leistet Hilfestellungen bei nationalen Planungsprozessen zur Krisenvorsoge, vor allem durch Einbindung der Betroffenen selbst, die aus Erfahrung am eigenen Leib am besten wissen, wie und wo die Hilfe ansetzen muss. Daneben erhalten die Gemeinden Schulungen zu wichtigen Themen wie Ernährung, Hygiene und landwirtschaftlichen Anbautechniken und können sich zu neuen Pflanzensorten beraten lassen, die schneller wachsen und widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit oder extremer Nässe sind. Die dritte Komponente des Projektes sind die „Schulspeisungen“. Diese sind unerlässlich, wenn es darum geht, den Kindern auch in Zeiten von Nahrungsknappheit den Schulbesuch und einen Schulabschluss zu ermöglichen. Die Aussicht auf eine warme Mahlzeit am Tag reicht meist schon dazu aus, dass Familien, die sonst auf die zusätzliche Arbeitskraft angewiesen wären, ihre Kinder zur Schule schicken. Die Kinder selbst wiederum sind nicht mehr unterernährt und können sich im Unterricht besser konzentrieren. Dass ein voller Bauch nicht nur für glückliche Gesichter, sondern auch begeisterte Schüler sorgt, davon konnte sich Botschafter Dr. Detlev Wolter bei seinem gemeinsamen Besuch mit der WEP-Landesdirektorin Karin Manente in der Grundschule in Massingir, in der Provinz Gaza, selbst ein Bild machen. Auf weiteren Stationen seines Feldbesuchs in Magude, in der Provinz Maputo, stellten ihm die beteiligten Dorfbewohner und Mitarbeiter des WEP ihre „Food for work“ – Projekte vor: Eine Ziegelfabrik, die nach Fertigstellung eine stabile Einnahmequelle für die Gemeindemitglieder bietet und ein landwirtschaftliches Pilotprojekt zur Vermehrung von Maniok- und orangener Süßkartoffelsetzlinge, zwei besonders resistenter und dazu nährstoffreicher Nutzpflanzen, die dann an die umliegenden Haushalte verteilt werden sollen.

© Deutsche Botschaft Maputo

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